Die erwachsenen Gewinnerinnen und Gewinner aus 2020


Meine Fettnäpfchen und ich

Karlheinz Bayer 

 

 

Wer niemals in den Napf getreten

wird nicht versteh'n wovon ich rede.

„Ay, Mann!“ sagst du, „das ist voll krass!“

Und ich: „Jetzt mach dich bloß nicht naß!“

Von kraß nach grasse sind's ein paar Schritte

mit mir zu geh'n, worum ich bitte.

 

Ich bin der Meister mit den Näpfen!

Ich bin das Fett in euren Köpfen!

Wollt ihr zum Beispiel euer Fett weg,

so kriegt von mir ihr euer Fett weg.

„Ihr seid nicht dick, ihr seid zu klein,

ihr seid nicht fett, ich nicht gemein.“

 

„ Allons enfants du calori-hi-e,

le jour de grasse est arrivé “

Das geht zu weit?. „Die Marsellaise

verhunzt man nicht, denn das ist böse.“

„Doch so 'nen Napf verpass' ich ni-i-ie,

gefüllt mit Fett, so weit ich seh'.“

 

Ich sag', das Stellen von dem Näpfchen

verlangt nach einem klaren Köpfchen.

Mein Blick gilt einzig meinen Füßen

die jenes Fett genießen müssen

das ich in rauen Mengen habe,

euch zu mißfallen. Eine Gabe!

 

Wie wohl es tut, wenn Ihr entdeckt,

daß ihr mit mir im Fette steckt!

Es ist nicht etwa, daß ich lüge,

wenn ich die Sätze so verbiege,

daß sie zu einem Spiegel werden

von euern Schwächen und Beschwerden.

 

Vielmehr es ist die höchste Kunst.

Ich pfeiff' dafür auf eure Gunst,

ich bade mich in euerm Leid,

genieß' wenn ihr betroffen seid.

 

Dann hat es seinen Zweck erfüllt



“Fettnapf” 

 

Gerline Marquardt

 

Ganz frieher war-er dauernd  z`sähn,             

in jed`m Burehus,

mer hett dert arg miän Obacht gänn,

sunscht hett-er bäbbt  --  dr Fuß!

Dr Napf war g`schtande unter Würscht,          

die sin hoch obbe g`hange,

Un grad dert,  un`drem  Decki-Firscht,            

hett er miäns s`Fett uffange.

 

Dr Napf, dän git`s hit immer noch,                  

wer  nindappt, der hedd`s schwer.

Hit isch dr  “Napf voll Fett" jedoch                   

nur noch imag-i-när!                  

Mr sieht`ne nit, mer riecht`ne nit,                    

- isch trotzdem exischdend -

Un isch als Drangsal vun dr Lit                       

schtändig im Elemend.     

 

Schteck`sch drin, dann kannsch ganz

hart nur schnuufe,                                         

es s`wird-dr plümerand.

Wenn d`And`ri dann: “Hätsch ufpasst” rufe,    

der-no wirsch arg schinand.

 

 Un schtändig wachse, garnit minder,              

im große “Fettnapfstall”,

ganz winzigi Fett - Näpfli - Kinder,                  

die lau`re üwerall.

Dr meinsch, dass die grad erscht gebore        

un des-drumm harmlos sin,

doch die duen glich arg g`wieft loschore,        

drum dapp`sch au dert schu nin!

 

Jetzt wird`s dr pletzlich haiß un kald:              

oh lätz!  Des isch dumm g`loffe!                 

Din Fuß hett durch ä Hint`rhalt                       

genau ins Näpfli  `troffe!

Du wirsch gnz iwerzwerchelig                         

un wottsch gern lame-diere,

Do merksch ganz schnell am Spott dr Litt,      

du duesch dich grad blamiere.

 

Wenn d`andre niederträchdig lache,               

wägge-dim Näpfli-Tritt,

dann git`s für dich nur ein`s noch z`mache:    

Am beschte: Lach`sch halt mit! 



 

„I n s    F e t t n ä p f l i   d a b b t ! “

 

Margot Müller

 

   S isch Fasent gsi, so ä recht luschtiger Owe vum Verein im Neweszimmer vum Stammlokal.

Sie sin so an dieä fümfezwanzig (25) Litt gsi; d Stimmung prächtig, alli guet gsättigt  un durschtig  war au keiner meh.

Jetz hän sich paar Couragierti mit Beiträg am Programm beteiligt un d Gaudi isch als besser wore. Grad präsediere sich zwei schu reiferi Dame, mit me witzige Sketch, wu sich in zwei aldi Scheese verwandelt hän, mit Putzfraueklamotte un Perücke uf,  wi so Butzwull.  S isch zum Schieäße gsi.

 

  Aber was fir ä Malör! - Keins im Saal het ä Händy oder Fotoapparat debie. So ä gnitzi Vorstellung mueß mr doch verewige! Vor allem solle die Bilder in d Vereinszittung! 

 

Nit lang gfackelt, isch d buschper Paula, d Vereinsvorsitzend, nus in d Wirtsstub, het sich an alle Disch umguckt un jedes Gsicht einzel inspiziert. Tatsächlig, einer vun dene Gäscht isch ere irgendswie bekannt vorkumme.  


Der het vun Nadur us so ä frindligs Gsicht. S isch ä gepflegt gekleideter Mann, un er wirkt ä wing nobel. Dene het si solang becirct, bis er ihre sin Händy usgliehnt het.

Sie het schu gmerkt, dass der ä wing vädutzt un misstrauisch gluegt het. Khä Wunder, sie isch jo au so kostümiert gsi, aß wär sie vun ere Anstalt usbroche; mit knallrot vermolte Backe, rotem Baskemützli un im Babydoll-Hemdli. Un erscht was sie an dene Mann naagfaselt het! „Ha wa! Der soll sich nit so a-stelle!“ denkt sich d Paula.

 

  Die Fotografiererei mit dem Händy isch nor allerdings wing schieäf gloffe. Wie bedieänt mr denn des Glump? - S isch super chic un s neuschte Modell. Nit eini vun dene alde Trutschle in dem Verein het gwisst, wi mr mit so me supermoderne Technik-Apparätli umzugih het, un samtsunders khä Ahnung. Drum het d Paula zerscht ämol us Versehne d Wänd, un nor s Plafoo fotografiert, eh si die zwei Putzfraue elektronisch iigfange het.

 

  Nadierlig isch jetz d Fortsetzung kumme. Der Besitzer mueß ihre jo di Fotos uf ihr PC schicke!  Also, brucht sie siner Name!  Un d  E-Mail-Adress!

Numme widerstrebig het der verdutzte Mann siner Name gsait: „Bimmerle“.

Was? Hä? - Hätt sie nit schu zwei Vierteli truckener Müller intus, wär si vermutlich in Ohnmacht gfalle. S het re so langsam dämmert, wurum er ihre so bekannt vorkumme isch!:

Genau, der isch nämlich alle Woch in de Zittungswerbung un uf jede Fall in de Hochglanz-Fachzittschrifte  abbildt!  Er isch do drin als  Man of the year

ufgführt! Ä richtiger Promi!

 

Viellicht wär´s  anderscht gloffe? Aber bi dem Name, do mueß mr halt grinse: „So, so, de Herr Bimmerle sin Sie!“ staxt d Paula.  – Nor fallts ere ii, un schu will si ebbs guet mache: „Hajo! gell, de Schnaps-Bimmerle!“ frohlockt si.  

„Nein, der Wein-Bimmerle!“ bäffzt er si aa.

Wu sie sich ernüchtert bedankt het  un vor allem entschuldigt, do isch eres nimm zum Lache gsi, numme noch verdammt peinlich!

„Zum Dunnder-Guguck,  bin i hit mol widder ins Fettnäpfli  nii  dabbt!“

 

Der Mann ghört zu de 100 beste Winzer in ganz Ditschland, ja sogar Europa! Er heimst jedes Johr ä Huffe Goldmedaille un sämtligi nobli Prädikate ii.

Aber wie soll sie des wisse, un wer vun dem armselige Verein kann sich schu sonigi deftigi „Wein-Preise“ fir de Win leischte?

 

S Schlimmst aber isch gsi, dass hinder de Glasdiir di anderi  Knallkepf  un Großgosche vum Verein mitghorcht un lutt nuskichert hän, un jetz isch es au noch mit Gebrüell losgange:

„Kommandoooo Bimmerle !!!!“ Mit de Finger hän alli uf d Tischplatte ghämmert, un vor Fraid grölt wie d kleini Kinder!

 

Trotzdem het de Herr (Siegbert) Wein-Bimmerle Wort ghalte un di Bilder gschickt. . . . Sie hän katastrophal usgsehne, nix fir in d Zittung!

 

D Vorsitzend vum Verein het somit schu vorher Aschermittwochstimmung ghet!

Dieä het  alls no gjuumert:  „Mei-o-mei, so ä Blamasch!“ *


Mittagessen am See

 

Michael Müller

 

 

Es sind Sommerferien. Mama und Papa fahren mit Luisa in die Berge. Jeden Tag unternehmen sie etwas. Sie sind schon mit einer Seilbahn auf einen Berg gefahren, sie haben ein Bergwerk besucht und mussten alle einen

Helm aufsetzen und dicke Bergmannskleidung anziehen und sie waren in einer Wildwasserschlucht. Heute wollen sie zu einem schönen See fahren und dort

spazieren gehen.

Mama hat beim Frühstück im Hotel für jeden ein belegtes Brot gerichtet und etwas

zu trinken besorgt und Papa hat alles in seinen Rucksack gepackt. Sie fahren mit

dem Auto eine Weile und von einem Parkplatz in der Nähe vom See marschieren

sie los.

"Das Wetter sieht gut aus", sagt Papa, "nicht zu heiß und nicht zu kalt".

Sie laufen auf einem breiten Fußweg am Seeufer entlang. An einer Stelle liegen

viele schöne runde Kieselsteine.

 

"Ich lasse mal welche über das Wasser springen", sagt Papa und es gelingt ihm


auch einige Male.

"Willst Du es auch mal versuchen?", fragt er Luisa.

"Ja", sagt sie und probiert es. Aber meistens macht es nur 'plöp' und dann ist der

Stein schon untergegangen. Nur einmal hopst ein Kiesel über das Wasser.

"Man muss ihn ganz flach und schnell auf's Wasser werfen, dann springt er", sagt

Papa.

"Gut, dass wir Dich dabei haben", sagt Mama, "wir beide schauen lieber zu, wie

Du das machst".

Dann laufen sie weiter. Nach einer Weile finden sie eine Bank mit einer schönen

Aussicht auf den See und die Berge dahinter. Hier essen sie ihre Brote. Luisa entdeckt am Ufer andere schöne Kieselsteine die sie mitnehmen möchte und Papa steckt sie in seinen Rucksack.

So kommen sie langsam voran auf ihrem Spaziergang. Als sie wieder bei ihrem

Auto ankommen ist Mittag schon vorbei.

"Sollen wir in dem Gasthaus dort drüben etwas essen gehen?", fragt Mama. "Vielleicht gibt es frischen Fisch aus dem See".

"Wir können ja mal schauen", meint Papa.

Als sie in das Gasthaus hineingehen stehen sie erstmal in einem großen Vorraum. Während Mama und Papa die Speisekarte lesen geht Luisa zu einem Aquarium das in der Wand eingebaut ist. Nur ein einziger Fisch befindet sich darin, eine große Forelle. Das Aquarium ist ganz leer, keine grünen Pflanzen und kein schöner Sand auf dem Boden.

"Der arme Fisch sieht ganz traurig aus", sagt Luisa als Mama und Papa zu ihr

kommen.

"Na ja, er wird ja auch bald in der Bratpfanne landen", meint Papa.

"Ich will nicht, dass er gebraten wird", sagt Luisa, "er soll lieber wieder in den See

zurück".

"Aber die Forellen sind doch zum essen da", sagt Mama.

"Nein", antwortet Luisa, "ich will den Fisch nicht essen. Ich möchte, dass er wieder

frei gelassen wird im See".

Mama und Papa schauen sich an.

"Wenn das hier der letzte Fisch ist, den es noch gibt und wir ihn wieder in den See

bringen, müssen wir auf ein gutes Mittagessen verzichten", sagt Mama.

"Wir können auch etwas anderes essen, oder gar nichts, aber nicht diesen armen

Fisch", sagt Luisa.

"Wenn das so ist", antwortet Papa, "dann können wir mal den Wirt fragen, was eine

lebende Forelle kostet".

"Ist das nicht etwas peinlich", fragt Mama, "ich glaube, wir treten da in ein

Fettnäpfchen".

"Wieso", antwortet Papa, "der Wirt will doch ein Geschäft mit der Forelle machen und da kann es ihm doch egal sein, ob er sie lebend oder gebraten verkauft".

"Wenn Du meinst", sagt Mama, "aber dann geh Du ihn fragen". Und so geht Papa in die Wirtschaft.

"Warum willst Du den Fisch denn freilassen?", fragt Mama.

"Weil er so einsam ist und mich so traurig angeschaut hat", sagt Luisa.

"Na dann verzichten wir heute auf unser Fischessen", antwortet Mama.

Nach einer Weile kommt Papa zurück.

"Der Wirt hat schon etwas seltsam geschaut, als ich ihm sagte, dass wir die

Forelle wieder in den See zurückbringen wollen. Aber zum halben Preis können

wir sie haben. Einmal Forelle lebend ohne Kartoffeln und Salat habe ich bestellt",

sagt Papa und lächelt dabei. "Der Wirt holt jetzt einen Eimer und dann fischt er uns die Forelle aus dem Aquarium".

Und so geschieht es. Die Forelle zappelt ganz arg als sie der Wirt mit einem kleinen Handnetz aus dem Wasser hebt und vorsichtig in einen großen Eimer voll Wasser einsetzt. Im Wassereimer ist sie wieder ganz ruhig.

"So", sagt Papa, "dann machen wir uns mal auf den Weg. Hoffentlich spritzt mir die

Forelle nicht die Hose nass".

Dann laufen sie alle drei los. Bis zum Seeufer ist es eine kleine Strecke und Papa meint, dass sich die Forelle wohl extra schwer macht. Er wechselt einige Male den Eimer von einer Hand zur anderen.

Als sie am See ankommen sagt Mama, "Jetzt müssen wir noch eine gute Stelle

finden, wo wir die Forelle ins Wasser lassen können".

Da sieht Papa zwei größere Steine die im flachen Wasser liegen. "Auf den beiden Steinen kann ich stehen", sagt er, "dort ist es gut". Als Papa auf den Steinen steht lässt er den Eimer langsam ins Wasser eintauchen und dann kippt er ihn vorsichtig zur Seite. Ganz sachte landet die Forelle im See, macht ein paar schnelle Schwimmbewegungen und ist im Nu einige Meter weit weg.

Dann bleibt sie ganz still im Wasser stehen.

"Die wird sich jetzt erst mal wundern wo sie gelandet ist", sagt Mama.

"Ja", sagt Papa, "vor allem wird sie froh sein, dass sie nicht in der Bratpfanne liegt".

Alle drei betrachten die Forelle, die ganz ruhig im flachen Wasser steht. 

Dann, auf einmal, bewegt sie sich und schwimmt langsam immer weiter vom Ufer weg.

"Tja", sagt Papa, "da schwimmt also unser Mittagessen im See davon. Aber vielleicht kriegen wir noch irgendwo einen Nachtisch".

"Ganz bestimmt", antwortet Mama, "wie wär's wenn wir uns jetzt alle ein großes Eis spendieren nach der erfolgreichen Forellenbefreiung".

"Oh ja", sagt Luisa, "ich will Vanille, Schokolade und Erdbeere".

Und so gehen sie zurück ins Gasthaus, Papa bringt dem Wirt seinen Eimer und dann bestellt Mama für jeden einen Eisbecher.

"Ich glaube, mir hätte die Forelle heute auch nicht geschmeckt", sagt Mama zu Luisa.

"Das war eine gute Idee von Dir, sie wieder in den See zu bringen. Zum Glück haben

wir Papa dabei. Er ist ein starker Forellenträger".

Und dann müssen alle drei lachen.